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Die Versklavung des Laufens
Von Chris | 11. Februar 2010
Spartacus, ein entflohener Sklave, war in der Zeit um 73 bis 71 v.Chr. Anführer eines Sklavenheers von gegen 200’000 Mann und erreichte zahlreiche Erfolge gegen die römische Armee.
Wahrscheinlich ebensoviele Läufer tummeln sich als Sklaven der Technik über die vielen Laufstrecken Europas. Am Armgelenk ein halbes Laptop, am Oberarm einen GPS-Empfänger und vielleicht am linken oder rechten, hochtechnisierten Laufschuh einen Laufsensor, welcher die momentane Geschwindigkeit an die multifunktionale Sportuhr sendet. Sklave des Laufens?
Ist die Batterie der technischen Errungenschaft auf Grund der vielen Möglichkeiten einmal zu schwach, muss nicht die Messung an sich, sondern das Training ausfallen. Viele können ohne Pulsuhr und GPS, ohne Natel und Geschwindigkeitssensor gar nicht mehr laufen. Das Training fällt nicht wegen schlechten Wetters, sondern wegen schlechter Batterie aus. Moderne Skalvenarbeit!
Während man früher mit den ausgelatschten Turnschuhen seine Runden auf den Fitnesspfaden der Natur drehte, müssen heute technisch hochgezüchtete, gedämpfte, gestützte und trotzdem möglichst leichte Wunderwerke an die Füsse geschnürt werden, welche wiederum in Socken stecken, die die Wärme und Feuchtigkeit perfekt an die Umgebung abzugeben vermögen, den Geruch aber für sich behalten können. Silberionen-Technik sei Dank.
Während vor einigen Jahren der Laufschuh noch das teuerste Utensil für die Ausübung des Laufsports war, wurde dieser trotz überproportionaler Verteuerung von den Computern an den Handgelenken um Längen überholt. Heute kannst du dir ein Wunderwerk mit Schnick-Schnack und USB-Schnittstelle für einen Preis erstehen, mit dem du früher zwei Paar neue Laufschuhe kaufen konntest.
Und was da alles geboten wird:
Eine Autostopp-Funktion, welche die Uhr anhält, falls ich wegen eines stehenden Hundes oder einer freilaufenden Ampel (oder umgekehrt
) warten müsste…
Einen “Virtueller Partner“, welcher eine eingegeben Strecke und Zeit mit der aktuellen vergleicht und dich anspornt, wenn du gegenüber von diesem virtuellen Partner zu langsam wirst.
Möglichkeit, um Datum, Uhrzeit, Länge der Einheit, Anzahl der Runden (bis 1000, ehrlich
!), Daten der einzelnen Runden, Höhenmeter, Geschwindigkeit, Maximalgeschwindigkeit, Maximalpuls, Durchschnittspuls, zurückgelegte Strecke,… (stark gekürzte Fassung!).
Was wir nicht alles brauchen, um zu trainieren. Wir sind doch alle versklavt von diesen technischen Wunderdingern. Das Peipsen wird zu einem wichtigen Trainingsbegleiter, die linke Schulter fängt an zu schmerzen, weil der Arm beim Ablesen der kleinen Digitalziffern lange hoch gehalten werden muss.
Die Nerven liegen blank, wenn die gewünschten Daten (siehe oben) nicht ordnungsgemäss aufgezeichnet werden oder beim Transfer über die Schnittstelle zum Computer stecken bleiben. Und wenn alles klappt, sehen wir da auf dem Computer Bilder, wie sie nur in einer modernen Kunstsammlung hängen können: Mit verschiedenfarbigen Linien, welche auf- und abschwingen, mit Balken, die dreidimensional in die Höhe ragen und Abkürzungen, wie sie nur einem Künstler entspringen können: MHF, dHF, hM…
Gibts da vielleicht auch eine Funktion, all die vielen und manchmal unnötigen Funktionen AB-zuschalten? Wenn nicht, dann pack die Sachen zurück in die Schachtel und gehe einfach laufen. Egal wie schnell, egal wie lange, so, wie es dir einfach im Moment richtig Spass macht.
Lass doch den textilen Pulsgurt an der Badezimmerstange und deine Seele beim Laufen ohne (Lebens-)Hilfsmittel mal so richtig baumeln.
Du wirst überrascht sein, wie das Laufen plötzlich erholsam, befreiend und sinnlich sein kann!
Topics: Laufpoesie, Lauftraining | 3 Kommentare »
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12. Februar 2010 at 08:56
Ich glaub nicht, das eine (GPS) Pulsuhr Grund für eine Versklavung sein kann. Meiner Ansicht nach hat ein Trainingsplan hier ein viel grösseres Potential! In einer Wettkampfvorbereitung gehts nicht ohne und gerade deshalb probier ich immer die Woche so zu gestalten, dass ich das Gefühl bekomme, etwas Spielraum in der Trainingsgestaltung zu haben.
Das Laufen wie du es beschreibst ohne Pulsuhr, genau so fühlt es sich an, nach der Wettkampfzeit und ohne Trainingsplan
12. Februar 2010 at 15:23
Kommt mir nur allzu bekannt vor.Das kuriose dabei;
“früher” liefen die Leute ohne techn.Brimborium-aber sie liefen weiss Gott nicht langsamer als
heutzutage…im Gegenteil.Auf welche Art und Weise
könnte man kenianische Läufer bezwingen?Schenkt
ihnen Pulsuhren,GPS und PC und aus ists mit der
herrlichen Rennerei nach Körpergefühl.
15. Februar 2010 at 20:23
Hi Chris,
Da fühl ich mich schon irgendwie angesprochen, wenn der Forerunner nicht läuft oder die Daten verloren gehen, dann fehlt mir was, muss ich zugeben! Schnickschnack wie virtual Partner usw. brauche ich aber nie.
Gruss vom Sklaven Tom
PS: Greif hat den Newsletter von seiner Seite genommen, ich kann ihn dir aber als E-Mail weiterleiten, wenn du mir an webmaster at thovo.ch schreibst (via Kontaktformular geht nicht)