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Greifvogelangriff beim Laufen
Von Chris | 29. Mai 2010
Na ja. Man kennt es ja vom Hörensagen und aus den Laufzeitschriften: Läufer und Läuferinnen, welche überraschend beim Lauftraining angegriffen werden.
Ich freute mich auf das erste Lauftraining seit dem Halbmarathon in Winterthur und die Beine fühlten sich nach der Zweiwochenpause richtig gut an. Aus dem Haus und Richtung Westen. Eine dunkle Wolkenfront hing vor mir und die ersten Tropfen fielen bereits. Im Süden blauer Himmel. Also umkehren und Routenänderung.
Kaum dreihundert Meter gelaufen, das letzte Haus vom Dorfkern verlassen, da bemerkte ich ein “Wusch” – und wenige Sekunden später ein zweites “Wusch”. Was “Wusch”? Da war überhaupt nichts Verdächtiges in meiner Nähe. Ich blickte zurück auf die Strasse, wo ein Auto auf offener Strecke fast angehalten hatte und wieder beschleunigte. Das konnte dieses Geräusch aber auch nicht verursacht haben. Ich blickte nach vorn, hob meine Nase – und sah einen Greifvogel im Sturzflug auf mich zuschiessen. Kurz vor mir zog er wieder hoch.
Ein mulmiges Gefühl beschlich mich und während ich mir überlegte, was in einer solchen Situation zu tun sei, kam er wieder, diesmal von links. Nach dem Angriff drehte er gleich wieder eine enge Schleife um erneut von rechts auf mich zuzufliegen.
Ich ging etwas näher zu einer grossen Birke, welche gleich an der Strasse stand, um dem Tier, welches jetzt mit einem zweiten auf einem rückwärtigen Ast dieses Baumes sass, etwas Flugsicht zu nehmen. Es blieb ruhig.
Ich machte zwei Schritte vom Baum weg. Der Greifvogel nahm wieder Anlauf und flog drei Angriffe. Der nächste Baum war vor und hinter mir etwa 50 Meter entfernt. Das ist weit, wenn man zum Opfer gestempelt wird. Musste ich wohl einen Autofahrer anhalten und mich ein Stück mitnehmen lassen?
Etwa 200 Meter von mir entfernt winkte ein Autofahrer aus einem stehenden Auto. Ich konnte nicht verstehen, was er mir sagen wollte, aber immerhin stellte ich beruhigt fest, dass er die Angriffe mitbekommen hatte. Er war es schliesslich, der mich kurz später aus meiner misslichen Lage befreite und etwa fünfhundert Meter entfernt in “Sicherheit” wieder entliess.
Der Mann war vom nahen Bauerngut und betreut eine Greifvogelstation in der Nähe. Er erzählte mir, dass ein Mäusebussard in einem Baum dort in der Nähe einen Horst habe. Der Jungvogel mache die ersten Flugversuche und der Vater-Bussard begleite die ersten Tage seinen Nachwuchs. Ich sei für ihn eine Bedrohung, weshalb er mich mit Scheinangriffen zur Flucht bewegen wolle. Meist reiche ein schnelles Entfernen von 50 Metern vom aktuellen Standort, um in Ruhe gelassen zu werden. Der zweite Vogel sei eben das Jungtier gewesen. Da der junge Vogel etwas weiter südlich auf dem Baum sass, wollte der Papa-Vogel verhindern, dass ich in diese Richtung laufe.
Wieder was gelernt. Der Mann meinte dann noch, dass eine Laufmütze schon genügend Schutz sei.
Nur eine halbe Stunde später, diesmal auf einem anderen Nachhauseweg
, sah ich einen Läufer genau die Stelle passieren. Die Flugstunden waren aber scheinbar vorbei… 
Bild: www.respect-to-wildlife.at. Eigentlich ein putziges Tierchen, wenn es so ruhig sitzen bleibt… 
12 km in etwa 1:10, ca. 15 Greifvogelangriffe in 5 min
Topics: Lauftraining | 14 Kommentare »
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29. Mai 2010 at 20:30
Hey, ich hatte heute Morgen genau das selbe Erlebnis. Allerdings in der Wildnis, ohne Aussicht auf Rettung. Ich bin kurzerhand bei alle Angriffen zum Gegenangriff übergegangen (na ja, ich habe den Vogel halt einfach bei jedem Angriff eingebrüllt). Hat genützt. Er hat zwar noch weitere 10 Angriffe geflogen, aber jeweils sehr frühzeitig abgebrochen.
30. Mai 2010 at 12:58
Das müssen eindrückliche Momente sein, wenn man von so einem Vogel angegriffen wird. Ich selbst habe das noch nie erlebt und bis jetzt immer nur davon gehört. Mir gefallen diese Vögel und ich sehe es gerne wenn sie in der Höhe ihre Runden drehen.
30. Mai 2010 at 17:20
Ich hatte ja schon einige “knappe Begegnungen” mit Greifvögel, aber angegriffen wurde ich noch nie!
Warst Du Beute oder Feind?
30. Mai 2010 at 21:19
@bireweich: Ein Stock, ca. 1 bis 1.5 m lang, über den Kopf gehalten, soll gemäss einem Läufer den Vogel zu etwas Abstand zwingen, da er nur den höchsten Punkt angreifen wird…
Blutige Erlebnisse unter Jogmap.de – Greifvögelangriffe.
31. Mai 2010 at 06:39
…uuuh, was wür ein Erlebnis! Ich glaube, ich würde diese Strecke nun nur noch mit Helm laufen…
31. Mai 2010 at 10:15
Ich kann dies sehr gut nachvollziehen. Bei einem solchen Angriff wird man urplötzlich aus den Laufgedanken gerissen und findet sich in einer vermeindlich existenziellen Situation.
Zum Glück gehen diese Angriffe meist harmlos aus.
2. Juni 2010 at 16:59
Ein Stock oder ein anderer, künstlicher höchster Punkt hilft wirklich gut.
Und solange nichts passiert kann man sich ja freuen, so ein schönes Tier mal aus der Nähe beobachten zu dürfen *grins*
4. Juni 2010 at 14:48
@Laufhannes: Die Frage stellt sich: Wie läuft man ständig mit einem Stock???
8. Juni 2010 at 13:36
Hallo,
gestern wollt auch ich nach längerer Zeit mal wieder laufen gehen. Rund 400m kam ich als ich ein “Kratzen” bemerkte…ein wenig Schmerz folgte auf den Fuß und so griff ich mir an den Hinterkopf…tatatataaa…blut…und sah den Vogel noch zurück zu seinem Horst fliegen.
Ich lief nimmer weiter, da ein wenig Schwindel und halt die Schmerzen mich daran hinterten….schlich ich mich wieder zurück-an dem Horst vorbei- immer die Augen gen Himmel gerichtet…ein Angriff reichte mir völlig.
Am Parkplatz angekommen erkundigte ich mich bei zwei älteren Läuferinnen nach den Umständen in diesem Wald….Zwei Greifvogelpaare, die ihre Horste verteitigen. Toll und Läufer attakieren. :(
Hab die Wunde dann desinfizieren lassen und gleich ne auffrischung meiner Tollwutimpfung machen lassen….und nun hab ich seit gestern arg doll Kopfweh.
8. Juni 2010 at 21:05
@Laborratte: Ist also doch nicht so selten, wie man das meint… Viele, denen ich das erzähle, können auch ein Lied davon singen…
19. Juni 2010 at 19:45
auch ich wurde schon opfer von mehren angriffn,
da nahm ich ieweils ein stock und die die sache hat sich erletigt
7. Juli 2010 at 12:28
Bei mir endete der Angriff mit einer Beule am Kopf. Ich hörte ein Luftgeräusch und als ich mich umdrehte knallte mir der Flügel des Bussards vor die Stirn. Als es dann wieder verdächtig ruhig war, kam der nächste Angriff (immer von hinten). Mit einem Stock konnte ich mir aber dann genügend Respekt verschaffen, so dass er sich zurückzog.
28. September 2010 at 14:01
Es kommt ab und zu vor, dass ein Mäusebussard während der Brutzeit (Mai-Juli) Jogger angreift, um seine Brut zu verteidigen. Die Verletzungen der Jogger waren bisher gering, der Schreck dafür umso grösser! Sollte man gegen solche Mäusebussarde vorgehen (Abschuss)oder reicht eine Infotafel vor Ort, welche Warnungen und Verhaltensempfehlungen für die Jogger enthält? Bei einem Abschuss besteht die Gefaht, dass man erstens den falschen Mäusebussard erwischt und zweitens, dass die ganze Brut zugrunde geht, wenn ein Elterntier fehlt. Was meint ihr als Jogger dazu? Ich sammle im Rahmen einer Studie in wissenschaftlicher Ornithologie möglichst viele Meinungen zu diesem Thema – euch vielen Dank, wenn ihr hier eure Meinung dazu abgebt!
28. September 2010 at 17:51
@eveline: Mein erster Gedanke war schon “Abschiessen”. Aber mit der Dauer der Wegsperre und trotz eines zweiten Angriffes ausserhalb dieser Zone ist die Faszination für diese Tiere gestiegen. Ich höre nun schon von weitem den Ruf der Bussarde, folge ihrer Flugbahn, kann sie vom Milan und Rotmilan unterscheiden. In unserer Gegend hat es extrem viele Bussarde. Das war mir vorher gar nie bewusst. Werde im Mai 2011 vorsichtiger durch ihre “Reviere” streifen und mindestens eine Laufmütze tragen.